Fünfzehnte Flugreise des SC Sonnenwald geht auf die Kapverden

 

Nur fünfzehn Teilnehmer haben sich zur diesjährigen Herbstreise 2003 auf die Kapverdischen Inseln angemeldet. Trotzdem fahren wir am Samstag, den   25. Oktober gut gelaunt und voller Erwartung mit dem Bus zum Münchner Flughafen. Einchecken und Abflug um 11.30 Uhr mit einer Boeing 757 der TACV. Nach knapp siebenstündiger Flugzeit landen wir pünktlich auf der Insel Sal, so bleibt noch etwas Zeit, um Geld zu wechseln und ein Bier zu trinken. Dann steigen wir in eine Propellermaschine vom Typ ATR 42, die uns auf die Insel Sao Vicente fliegt. Es ist bereits dunkel, als wir mit einem Bus im Stadthotel Barcelo Oasis Porto Grande in Mindelo ein-treffen. Nach der Zimmervergabe gehen wir gemeinsam zum Abendessen ins Restaurant Achote. Fischgerichte in allen Variationen stehen auf der Speisekarte. Es ist Samstagabend und deshalb ist der zentrale Platz direkt vor unserem Hotel voller Menschen, die alle zum Feiern gekommen sind. Erst am frühen Morgen kehrt wieder Ruhe ein.      

Die Frühaufsteher unter uns haben Glück, denn nur am frühen Morgen gibt es noch Wasser auf der Toilette. Der Rest geht leer aus. Um 9 Uhr aber starten wir zur Inselrundfahrt auf Sao Vicente. Sämtliche Straßen der Insel bestehen aus Kopfsteinpflaster, eine davon führt uns von Mindelo aus zum Monte Verde (774 m). Anfangs geht es nur durch wüstenartige und steinige Landschaft, erst ab ca. 600 m Höhe werden die Berghänge wesentlich grüner. Auf terrassenartigen Feldern wird sogar Mais ange-baut. An mehreren Stellen halten wir an, um die großartige Aussicht auf Mindelo zu genießen. Die erstaunlich gut ausgebaute Straße führt ent-lang moosbewachsener Felsen zu einem Hoch-plateau mit einer Radio-, TV- und Telekom-munikationsstation. Von hier aus ergibt sich ein einmaliges Panorama über Sao Vicente und die Nachbarinseln. Nach der atemberaubenden Ab-fahrt über die steile und kurvige Straße be-suchen wir die Fischerdörfer Baia des Gatas, Salamansa und Calhau. Zum Höhepunkt des heutigen Tages führt uns unser Reiseleiter in ein weit abgelegenes Dorf in der steinigen Prärie. Hier ist alles ist auf den Beinen, die Dorfbewohner feiern und tanzen, nachdem ein Schwein geschlachtet wurde. Wir bleiben einige Zeit und  fahren dann zurück ins Hotel, gehen zum Abendessen ins Sodade und bald ins Bett.

Wieder gibt es am Morgen kein Wasser auf der Toilette. Heute stehen die Sehenswürdigkeiten von Mindelo auf dem Programm. Die weltoffene Hafenstadt mit ca. 50 000

 

Einwohnern entwickelte sich im Laufe der Jahr-hunderte zu Kapverdens wirtschaftlicher und kultureller Metropole. Letzteres ist sie geblie-ben, besonders, was die traditionelle Musik be-trifft. Wir besuchen den Fischmarkt und fahren dann weiter nach Sao Pedro. Hier herrscht geschäftiges Treiben am Strand und in den Straßen. Die Fischer bringen ihre Ladung an Land, die Frauen holen Wasser vom Wasser-reservoir. Das kostbare Nass wird mit großen

 

 

Bottichen und Kanistern auf dem Kopf nach Hause transportiert. Nur an fünf bis sieben Tagen jährlich gibt es Regen auf der Insel. Kaum zu glauben, aber am Nach-mittag setzt tatsächlich Dauerregen ein. Einige unter uns haben mit  Magenproblemen und Durchfall zu kämpfen, deshalb verbringen wir ein paar ruhige Stunden in den Hotelzimmern, bevor wir am Abend zur Insel Santiago fliegen. Denise, unsere Reiseleiterin auf Santiago holt uns am Flughafen in Praia ab und begleitet uns bei der zweistündigen Busfahrt nach Tarrafal im Norden der Insel. Erst nach Mitternacht erreichen wir unser Hotel.

Wieder steht eine Inselrundfahrt auf dem Programm und wieder geht es ausschließlich über Kopf-steinpflaster. Auf der bevölkerungsreichsten Insel des Archipels erleben wir die historische Vergangen-heit und das afrikanische Ambiente der Inselgruppe. Eine grandiose Berglandschaft mit steilen Hängen und üppiggrünen Tälern bestimmt die Szenerie. Wir entdecken den inneren Teil des Berglandes mit Akazien-wäldern, Bananen- und Kokosplantagen und legen eine Pause in Assomada, der zweit-größten Stadt im Zentrum der Insel ein. Santiago ist sehr kinderreich, manchmal sind wir von einer riesigen Kinderschar umgeben. Bei der weiteren Fahrt nach Praia besuchen

 

 

wir auch eine Dorfschule (mit freundlicher Genehmigung des Lehrers) und einen Botanischen Garten. Das Mittag-essen ist für uns in einem landestypischen Restaurant in Praia reserviert. Wir essen sehr gut und das Personal ist sehr freundlich. Sogar das staatliche Fernsehen ist mit einem Team anwesend, um Filmaufnahmen von unserer Gruppe beim Mittagessen zu machen. Die Rückfahrt geht an der kurvenreichen Ostküste entlang über Pedra Badejo und Porto Formoso, hier genießen wir bei einem Halt die beeindruckende Atmosphäre am kleinen Hafen. Erst bei Dunkelheit kommen wir ins Hotel in Tarrafal zurück.

Der 5. Tag steht zur freien Verfügung. Ein Teil der Gruppe fährt mit einem sog. Aluguer, das ist eine Art Großraumtaxi, nach Assomada zum Mittwochsmarkt. Die flotte Fahrt geht wieder durch die grüne und bergige Landschaft. Der Markt ist ein echtes Erlebnis. Die Marktfrauen verkaufen alles Mögliche, hauptsächlich aber landwirtschaftliche Produkte. Die Palette reicht vom Schwein bis zum Thunfisch und fast alles wird auf dem Kopf zum Markt getragen. Dabei sind vom nächsten Fischerdorf bis Assomada 18 km einfache Entfernung zurückzu-legen. Die erworbenen Güter werden dann auf gleiche Art wieder nach Hause transportiert. In einer kleinen Kneipe direkt beim Marktgeschehen genehmigen wir uns ein Bier und können so das quirlige Marktleben verfolgen. Nach einem kleinen Mittagessen mit gegrillten Hühnern wandern wir zum Boilon. Der 40 m hohe Affenbrotbaum ist ein Wahrzeichen Santiagos und der höchste und älteste Baum der Insel. In einem grünen und üppig bewachsenen Tal kommen wir an einer Wasserstelle vorbei und können etwas später den Frauen aus Assomada am Waschplatz, dem Kommunikationszentrum des Tals, bei der Arbeit zuschauen. Hier wird geschrubbt und gewalkt, auf dem Rücken festgebundene Säuglinge lassen das Gerüttel und Geschüttel klaglos über sich ergehen. Der Rückweg zur Stadt führt dann steil bergauf und der Schweiß fließt in Strömen. Am späten Nachmittag fahren wir wieder zurück nach Tarrafal. Auf einer Passhöhe in der Sierra de Malagueta legen wir noch

 

einen Fotostopp ein. Eine begeisternde Aussicht beendet diesen schönen und erlebnisreichen Ausflug. Am Abend bum-meln wir noch durch das sehr ruhige Tarrafal, wo nur noch einige streunende Hunde auf den Straßen zu finden sind.

Bereits um drei Uhr klingelt der Wecker. Nach einem kleinen Frühstück fahren wir wieder quer durch die ganze Insel zum Flughafen nach Praia, hier wartet bereits unsere Maschine zum Flug nach Sao Filipe auf der Insel Fogo. Luigi Zanini, ein italienischer Auswanderer und seit vielen Jahren Reiseleiter auf Fogo, holt uns am Flughafen ab und begleitet uns zum Bistro Renate in Sao Filipe. Die Inhaberin, um die 60 Jahre alt, kommt aus Deutschland und kümmert sich nebenbei um die Vermittlung von Gästezimmern. Nach einem zweiten Frühstück im Bistro mit Kaffee, Brötchen und Ziegenkäse geht’s zur Zimmervergabe. Da es nur sehr wenige Gästezimmer in Sao Filipe sowie auf der ganzen Insel Fogo gibt, werden wir auf zwei Pensionen auf-geteilt. Die Zimmer sind sehr einfach und man spürt deutlich, dass der Tourismus hier noch nicht Einzug gehalten hat. Bei einem Spaziergang durch die kleine, aber recht saubere Stadt mit gepflegten Straßen und Plätzen ist die Kolonialzeit noch allgegenwärtig. Am Nachmittag wagen einige ein Bad im Atlantik am pechschwarzen und sehr heißen Sandstrand. Die Strömung ist stark und das Schwimmen nicht unge-fährlich. Zum Abendessen treffen wir uns im Bistro bei Renate. Ein Bier im Garten unseres Quartiers beendet diesen ersten Tag auf Fogo.

Am siebten Tag unserer Reise steht die Caldeira do Pico auf dem Programm. Nur mit Rucksack, Bergstiefeln, Skistöcken und den notwendigsten Dingen ausgerüstet, erreichen wir mit zwei Aluguer nach zweistündiger Fahrt die Caldeira. Portela, eines von zwei Dörfern in der Caldeira am Fuß des 2829 m hohen Vulkans ist das Ziel des heutigen Tages. Unterwegs legen wir mehrere Stopps ein, um den phantastischen Ausblick auf den Vulkan Pico de Fogo zu genießen. Wir begegnen mehrmals Straßenbautrupps, die in mühe-voller Handarbeit die gepflasterten Straßen erneuern. Mattschwarz sticht der zugspitz-hohe Vulkan gegen das Blau des Himmels ab. Aschenberge, Tuffkegel, gewaltige Lava-ströme und die wie Pickel aus dem Vorland sprießenden Parasitär-Krater geben Fogo einen unwirklichen, unbewohnbaren Anschein. Beeindruckend, mit welcher Gewalt sich in früheren Zeiten die Lavaströme talwärts zum Meer bewegten. Der letzten beiden Vulkan-ausbrüche geschahen in den Jahren 1951 und 1995. Im kleinen und schmucken Hotel Pedra Brabo, das von Patrick, einem Franzosen geleitet wird, bleiben wir zur Übernachtung. Unglaublich, wie die ca. 300 Menschen hier im Dorf, eingeschlossen und umgeben von erstarrter Lavamasse, leben. Doch sie haben es geschafft, den vulkanischen Boden in Weinfelder und Obstgärten umzuwan-deln. Aus den hier geernteten Trauben wird ein Wein gewon-nen, der absolut biologisch hergestellt wird. Am Nachmittag be-suchen wir die Kooperative Esplanada Rerra Terra, machen eine ausgiebige Weinprobe und lauschen den Musikanten im Genossenschaftsladen. Ein köstliches Abendessen beschließt diesen außergewöhnlichen Tag.

Für acht Teilnehmer wird der achte Tag zum absoluten Höhepunkt der Reise. Nach dem Wecken um 6 Uhr und einem kleinen Frühstück steht uns der Aufstieg zum Vulkan Pico de Fogo auf 2829 m bevor. Mit Bergstiefeln, Skistöcken und einigen Wasserflaschen im Rucksack beginnen wir diese Herausforderung. Ein junger Mann aus dem Dorf, vielleicht zwanzig Jahre alt, begleitet und führt uns beim kräftezehrenden Aufstieg. Anfangs gehen wir auf einem Fahrweg durch eine Mondlandschaft, doch bald verlassen wir die Ebene und der Aufstieg führt steil bergan. In gemächlichem Tempo, durch einige Trink- und Fotopausen unterbrochen, gehen wir auf schwarzem Lavasand und steigen durch felsige Passagen in Richtung Gipfel. Nach 3½ Stunden er-reichen wir unser Ziel und ein gigantischer Ausblick belohnt unsere Mühen. Allein die Caldeira des Pico de Fogo misst 500 m im Durchmesser und ist 180 m tief. Bei der halbstündigen Gipfelrast können wir Rauchsäulen aus Schwefel beobachten, die aus der Caldeira aufsteigen. Nach dieser wohltuenden Pause bei Sonnenschein, leichtem Wind und kühlen Temperaturen beginnen wir den Abstieg. Vorsichtig tasten wir uns durch die scharfkantigen Felsen, dann aber stehen wir vor unendlich langen und steilen Hängen aus Lavasand. Wir fühlen uns wie vor einer Tiefschneeab-fahrt. Doch auch ohne Ski wird die Abfahrt mit Berg-stiefeln und Skistöcken zu einem unvergesslichen Er-lebnis. Nach 5 ½ Stunden sind wir wieder zurück im Pedra Prabo und das heutige Abenteuer geht zu Ende. Ein Picknick beendet den Aufenthalt in der Caldeira und wir fahren mit den Aluguers zurück nach Sao Filipe.

Santa Maria auf der Insel Sal ist unsere nächste und zugleich letzte Destination unserer Kapverdenreise. Am Vormittag fliegen wir nach Praia auf Santiago. Da der Weiterflug nach Sal jedoch erst am Abend möglich ist, entschließen wir uns zu einem Ausflug nach Cidade Velha, der früheren Hauptstadt der Kapverden. Von der Festung Sao Filipe, die von den Portugiesen im 15. Jahrhundert erbaut wurde, hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt und seine grüne Küste. Leider sind nur noch wenige steinerne Zeugen in dieser historischen Stadt erhalten. Hervorzuheben ist der unversehrte Pelourinho, der im Jahre 1533 aufgestellt wurde. Hier wurden Sklaven öffentlich betraft und hin-gerichtet. Heute ist dieser Platz ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Am Abend fliegen wir weiter zur Insel Sal. Mit einem Bus geht’s zum Hotel Morabezza in Santa Maria, der letzten Station unserer Reise. Hier beziehen wir recht komfortable Zimmer, alle mit Meerblick und genießen das gute Abendessen.

In den nächsten Tagen steht Erholung und Nichtstun auf der Tagesordnung. Es ist sehr heiß, nur ein Bad im sauberen und klaren smaragdgrünen Meerwasser bringt etwas Ab-kühlung. Meist aber halten wir uns am Hotelpool auf. Nebenbei entdecken wir auch das Dorf Santa Maria. Die Kneipe Roots sowie das Nachtleben im Piratas haben magische Anziehungskräfte. Zur Geburtstagsfeier von Gertrud, unserem Stammgast aus Deggendorf, gibt es eine riesige Torte vom Hotelmanager. 

Am letzten Abend gehen wir zum Abendessen ins Restaurant Fisherman. Dieses Lokal wird seit etwa zehn Jahren von einem Berliner Ehepaar betrieben. Wir sind beeindruckt von der geschmackvollen Einrichtung und genießen noch einmal die leckeren Fischgerichte. Kurz vor Mitternacht fahren wir zum Flughafen. Genau nach Zeitplan hebt unsere Maschine um 1 Uhr nachts ab und wir fliegen zurück in die Heimat. Mit vielen erlebnisreichen Eindrücken landen wir um 9 Uhr früh in München. Nun ist es nur noch ein Katzensprung nach Hause.

Eine beeindruckende Reise ist zu Ende.